Aus transform! 03/2026 · ITW Verlag
transform! · Ausgabe 03/2026 · KI & Green ITSerwas Technologies, Innsbruck
Abwärme · Rechenzentrum · Freizeitbad StuBay
Das Bad rechnet mit
Im Stubaital sollen künftig KI-Server ein Freizeitbad mitheizen. Das Innsbrucker Start-up Serwas Technologies macht aus einem lästigen Nebenprodukt der Rechenzentren warmes Wasser für Badegäste.
Text: Wolfgang Franz

Hallenbäder sind unersättlich. Das Wasser im Becken will warm sein, die Luft darüber ebenso, und das nicht nur im Jänner, sondern an praktisch jedem Tag des Jahres. Rechenzentren plagt das umgekehrte Problem: Wer große KI-Modelle rechnen lässt, erzeugt Hitze, die aufwendig weggekühlt wird und häufig ungenutzt verpufft. Im Stubaital finden die beiden jetzt zueinander, und zwar ganz ohne Umweg über Fernwärmeleitungen.
Serwas Technologies will im Freizeitcenter Stu-Bay in Telfes wassergekühlte Server aufstellen, der erste Schwung soll noch heuer in Betrieb gehen. Das Unternehmen betreibt die Rechner selbst und vermietet ihre Leistung an andere Firmen, unter anderem für Anwendungen der künstlichen Intelligenz. Die eigens entwickelte Kühlung holt die Abwärme mit bis zu 70 Grad aus den Geräten, eine zusätzliche Wärmepumpe braucht es dafür nicht. Diese Energie soll direkt in die Haustechnik des Bades fließen.
Neu ist die Idee für die Tiroler nicht. In einem Innsbrucker Hallenbad läuft bereits eine Serveranlage, deren Hitze dort mitheizt. Im StuBay wird schrittweise ausgebaut, je nachdem, wie viel das Haus abnimmt und was die Technik zulässt. Die Server ergänzen die bestehende Versorgung, statt sie zu ersetzen, ihr Beitrag soll mit jeder Ausbaustufe wachsen.
»Wir wollen Rechenleistung dort aufbauen, wo die entstehende Wärme direkt gebraucht wird. Gerade Schwimmbäder sind dafür besonders interessant, weil sie das ganze Jahr über einen hohen Wärmebedarf haben. Unser Ziel ist es, Rechenzentren zu schaffen, die nicht nur rechnen, sondern gleichzeitig Gebäude beheizen«
Timo Berkmann, Mitgründer von Serwas Technologies
Für weitere Standorte hat das Start-up das erste Closing einer Finanzierungsrunde über knapp 300.000 Euro abgeschlossen, angeführt von Gateway Ventures, mit Business Angels aus dem Pioneers Club und dem MCI Innsbruck. Mit dem Geld sollen bestehende Anlagen wachsen und neue Orte dazukommen. Über die Plattform RO-CKETS steigen auch Privatpersonen ein, ab 250 Euro. Wer im StuBay künftig seine Längen zieht, schwimmt also ein bisserl in KI.