KI im Job: Führungskräfte zufriedener und öfter geschult als Einsteiger
Laut »Better Work, More to Learn: The 2026 AI Worker Report« von ZipRecruiter findet gut die Hälfte der befragten US-Beschäftigten die Arbeit mit KI angenehmer. Führungskräfte sagen das fast doppelt so oft wie Einsteiger, und sie erhalten auch deutlich häufiger eine Schulung.
- 76,5 auf der Führungsebene (Direktorenebene bis Geschäftsleitung)
- 39,8 am Beginn der Laufbahn
Eine Figur = zehn von 100 Befragten der jeweiligen Gruppe. Selbstauskunft von US-Beschäftigten, Größe der Gruppen nicht veröffentlicht. Quelle: ZipRecruiter, »Better Work, More to Learn: The 2026 AI Worker Report«, 2026. Grafik: Gilgamesh
- 52,6 %der befragten US-Beschäftigten finden die Arbeit mit KI zumindest etwas angenehmer
- 83,5 %der Befragten auf der obersten Ebene erhalten vom Arbeitgeber irgendeine KI-Schulung
- 54,7 %der Einsteiger sind beim Lernen von KI auf sich gestellt
Die Online-Jobbörse ZipRecruiter hat vom 8. bis 21. September 2026 mehr als 1.500 Erwerbstätige in den USA online befragt. 52,6 Prozent geben an, KI habe ihre Arbeit zumindest etwas angenehmer gemacht, nur 5,5 Prozent erleben das Gegenteil. Von der Direktorenebene bis zur Geschäftsleitung berichten 76,5 Prozent von dieser Verbesserung, am Beginn der Laufbahn 39,8 Prozent. Ein ähnliches Gefälle zeigt sich bei der Weiterbildung: 83,5 Prozent der obersten Ebene bekommen nach eigenen Angaben vom Arbeitgeber irgendeine Art von KI-Schulung, in den unteren Karrierestufen ist es jeweils weniger als die Hälfte.
Angenehmere Arbeit, aber nicht auf allen Ebenen
Die 52,6 Prozent beziehen sich auf alle Befragten, nicht nur auf jene, die KI verwenden. 17,6 Prozent merken keinen Unterschied. Fachkräfte ohne Führungsverantwortung liegen mit 34,6 Prozent sogar hinter den Berufseinsteigern.
Auch die Nutzung folgt diesem Muster. Ein gutes Viertel auf der untersten Karrierestufe und knapp ein Drittel der Fachkräfte setzen KI im Job überhaupt nicht ein, in der Führungsebene sind es 5 Prozent. Zu den häufig genannten Anwendungen gehören das Recherchieren von Informationen, das Zusammenfassen von Dokumenten und Besprechungsprotokollen sowie das Entwerfen und Überarbeiten von Texten. ZipRecruiter weist darauf hin, dass genau solche Aufgaben bisher oft Berufsanfängern zufielen und ihnen zeigten, wie die Arbeit geht. Damit gebe es weniger Gelegenheiten, das Handwerk zu lernen. Das ist eine Deutung des Anbieters, gemessen wurde sie nicht.
Nach selbst gestalteten KI-Lösungen gefragt, nennen die Befragten laut ZipRecruiter am häufigsten das Einrichten vorhandener Werkzeuge oder Erweiterungen (36,1 Prozent) und nicht den Bau eines Agenten oder eines eigenen Ablaufs. 31,6 Prozent haben gar nichts angepasst.
Weiterbildung erreicht vor allem die Führungsebene
Insgesamt bekommen 62,8 Prozent der Befragten irgendeine KI-Schulung vom Arbeitgeber. Eine umfassende erhalten nach dem Fließtext des Reports nur 28,9 Prozent. Zugleich sagen 39,3 Prozent, ihr Arbeitgeber fördere den Einsatz von KI aktiv. 37,2 Prozent bringen sich den Umgang mit den Werkzeugen nach eigenen Angaben ganz allein bei, weil es kein Angebot gibt.
Diese Last trifft nicht alle gleich. Unter Einsteigern sind 54,7 Prozent auf sich selbst gestellt, unter Frauen 45,4 Prozent, unter Männern 29,9 Prozent. ZipRecruiter vermutet einen Zusammenhang zwischen Schulung und dem Nutzen, den die Befragten aus KI ziehen, weil die Verteilung nach Karrierestufe in beiden Fällen ähnlich aussieht. Belegt ist das durch die Erhebung nicht.
Ohne Hilfe trauen sich 34,3 Prozent zu, den Umgang mit KI zu meistern. Weitere 40,2 Prozent meinen, sie könnten es mit passender Anleitung.
Steigende Ansprüche, schneller veraltetes Wissen
49,9 Prozent der Beschäftigten geben an, ihr Arbeitgeber erwarte mehr Produktivität von ihnen. 44,6 Prozent sagen, durch KI veralteten ihre technischen Fähigkeiten schneller. Unter jenen, die KI täglich verwenden, sind es 67,3 Prozent.
Im mittleren Management sind 45,3 Prozent etwas oder sehr besorgt, KI könnte ihre Kenntnisse verdrängen. In der Geschäftsleitung bezeichnen sich 27 Prozent als sehr besorgt, obwohl diese Gruppe laut ZipRecruiter die Werkzeuge am ehesten nutzt. Vergleichbare Anteile für die übrigen Karrierestufen nennt der Report nicht.
Auch die Stellenanzeigen auf der eigenen Plattform hat ZipRecruiter ausgewertet. Nicht-technische Jobs, deren Beschreibung KI erwähnt, machen dort 4,3 Prozent aller Inserate aus, ein Jahr zuvor waren es 1,9 Prozent.
Ein Viertel denkt an einen Wechsel
68,1 Prozent der Befragten meinen, KI habe ihre berufliche Laufbahn bereits verändert oder werde das noch tun. 25,1 Prozent planen nach eigenen Angaben, ihre Stelle zu verlassen, und zwar wegen der Art, wie ihr Arbeitgeber KI sieht oder einsetzt. Erhoben wurde eine Absicht, kein tatsächlicher Wechsel. Weitere 30,9 Prozent äußern verstärkte Bedenken zur KI-Nutzung im eigenen Unternehmen. Als mögliche Gründe nennt der Report, dass der Arbeitgeber KI gar nicht verwendet, Leitlinien fehlen oder ethische Fragen und Datenschutz offen sind; beziffert werden sie nicht.
Uneinig sind die Befragten darüber, wie viel KI sie künftig wollen. 20,4 Prozent wünschen sich im nächsten Job mehr davon, 30,5 Prozent weniger.
Zur Aussagekraft der Studie
Herausgeber ist ZipRecruiter Economic Research, die Forschungsabteilung der börsennotierten US-Jobbörse, verfasst hat den Report die Arbeitsmarktökonomin Nicole Bachaud. Befragt wurden laut Methodenteil mehr als 1.500 verifizierte Erwerbstätige aus einem Online-Panel des Anbieters PureSpectrum; die Stichprobe gilt dort als landesweit repräsentativ. Wie gewichtet wurde, wie die Fragen lauteten und wie viele Personen auf die einzelnen Karrierestufen entfallen, ist nicht veröffentlicht. Gerade die Werte für die Führungsebene beruhen daher auf einer Teilgruppe unbekannter Größe.
Zwischen Fließtext und Grafiken des Reports weichen einzelne Angaben voneinander ab, etwa bei der Rangfolge der Anwendungen, beim Anteil derer, die KI im Job nicht verwenden, und bei der Weiterbildung nach Karrierestufe. Die 28,9 Prozent stehen dort einmal für umfassende, an anderer Stelle für ausreichende Schulung.
Alle Ergebnisse sind Selbstauskünfte zu Zufriedenheit, Lernangeboten und Absichten, keine Messungen von Produktivität oder tatsächlichem Verhalten. Die Erhebung beschränkt sich auf die USA, Werte für Europa oder Österreich enthält sie nicht. Die Zahlen zu den Stellenanzeigen decken nur die eigene Plattform von ZipRecruiter ab, nicht den gesamten Arbeitsmarkt.
Fazit
Das deutlichste Muster der Befragung ist ein Gefälle entlang der Hierarchie. Wer oben steht, nutzt KI häufiger, wird öfter geschult und empfindet die Arbeit mit ihr eher als angenehmer. Einsteiger verwenden KI seltener und sind beim Lernen besonders oft auf sich gestellt. Zugleich übernehmen die Werkzeuge nach Deutung von ZipRecruiter gerade jene Routinearbeiten, an denen sich Berufsanfänger bisher eingearbeitet haben. Am Beginn der Laufbahn treffen damit zwei Lücken zusammen: weniger Anleitung durch den Arbeitgeber und seltener jene Aufgaben, an denen sich üben lässt.
- Studie
- Better Work, More to Learn: The 2026 AI Worker Report
- Herausgeber
- ZipRecruiter Economic Research, Forschungsabteilung der US-Jobbörse ZipRecruiter; verfasst von Nicole Bachaud
- Befragt
- mehr als 1.500 Erwerbstätige in den USA aus einem Online-Panel von PureSpectrum; Österreich nicht vertreten
- Zeitraum
- 8. bis 21. September 2026
- Art
- Online-Befragung; Selbstauskünfte; dazu Auswertung der Stellenanzeigen auf der eigenen Plattform
- Quelle
- Studie im Original