KI und Einstiegsjobs: Personalverantwortliche erwarten Umbau statt Abbau
In der Studie »The Class of 2030« von AMS, einem Unternehmen von Korn Ferry, rechnen die meisten befragten Personalchefs damit, dass KI Einstiegsjobs verändert, nicht verdrängt. Wie diese Arbeit aussehen soll, weiß rund die Hälfte noch nicht. Junge Bewerberinnen und Bewerber misstrauen KI bei der Auswahl.
- 17 trauen den KI-Werkzeugen, mit denen Unternehmen Bewerbungen vorsortieren, eine faire Beurteilung zu
Eine Figur = eine Person von 100 befragten Jobsuchenden (Basis: mehr als 5.000 Beschäftigte und Jobsuchende in 13 Ländern). Selbstauskunft. Quelle: AMS, »The Class of 2030: The future of early careers hiring«, 2026. Grafik: Gilgamesh
- 81 %der Leiter der Personalgewinnung wollen mehr Berufseinsteiger einstellen
- 60 %der Personalverantwortlichen nennen KI als wichtigsten Faktor bei der Stellenbesetzung
- 13 %der Organisationen melden einen ausgereiften KI-Einsatz bei der Auswahl
AMS hat gemeinsam mit dem Marktforscher Phronesis Partners mehr als 500 Personalverantwortliche in Unternehmen sowie mehr als 5.000 Beschäftigte, Jobsuchende und Studierende in 13 Ländern befragt. 81 Prozent der Leiter der Personalgewinnung wollen nach eigenen Angaben in den kommenden zwei Jahren mehr Berufseinsteiger einstellen. Einen ausgereiften KI-Einsatz bei der Auswahl junger Kandidaten melden dagegen nur 13 Prozent der Organisationen. AMS stellt die Ergebnisse ausdrücklich gegen die Befürchtung, KI werde die unterste Sprosse der Karriereleiter beseitigen.
Wandel erwartet, Richtung offen
76 Prozent der Leiter der Personalgewinnung glauben nicht, dass Einstiegsjobs aus ihrem Haus verschwinden. Fast drei Viertel der Organisationen erwarten, dass sich die Tätigkeiten am Berufsstart verändern, statt wegzufallen. Rund die Hälfte gibt an, noch nicht zu wissen, wie das konkret aussieht. Eine Richtung skizziert der Bericht an Unternehmen, die nach ihren Angaben in der Befragung die Mitbewerber bei Umsatzwachstum und Profitabilität übertreffen: Dort recherchieren junge Mitarbeiter mit generativer KI und fassen Material zusammen, automatisieren Routineabläufe, testen KI-Ergebnisse und prüfen maschinell erzeugte Arbeit, bevor sie übernommen wird. Diese Aufzählung ist nicht beziffert. Sie beruht auf Gesprächen mit einzelnen Firmen und auf Beispielen wie PwC und Microsoft.
Mehr Bewerbungen, weniger Vertrauen
Auf Seiten der Kandidaten sieht AMS die Wirkung von KI vor allem in der Menge. Drei Viertel der befragten Organisationen geben an, dass die Zahl der Bewerbungen auf Einstiegsstellen stark gestiegen ist. In einer Übersicht zur Sicht der Berufseinsteiger nennt der Bericht außerdem 90 Prozent, die bei der Jobsuche KI verwendet haben. Auf welche Gruppe sich dieser Wert bezieht, gibt die Grafik nicht an.
Skeptisch zeigen sich die Kandidaten beim Auswahlverfahren selbst. Nur 27 Prozent aller befragten Jobsuchenden glauben, dass Arbeitgeber ihre Daten im Einstellungsprozess schützen, 23 Prozent erwarten ehrliche Stellenbeschreibungen. Den KI-Werkzeugen, mit denen Unternehmen Bewerbungen vorsortieren, trauen 17 Prozent eine faire Beurteilung zu. Die 16- bis 24-Jährigen äußern weniger Vertrauen in Arbeitgeber als ältere Befragte, und die KI-gestützte Vorauswahl nennen sie als größte Quelle ihrer Bedenken.
Beim eigenen KI-Einsatz sehen sich Unternehmen am Anfang
60 Prozent der befragten Personalverantwortlichen nennen KI als wichtigsten Faktor, der die Stellenbesetzung im Jahr der Befragung prägt. Neben den 13 Prozent mit ausgereiftem Einsatz haben nach eigenen Angaben weitere 37 Prozent begonnen, KI in die Auswahl von Berufseinsteigern einzubauen. Insgesamt nutzt laut Bericht die Hälfte der Organisationen KI in irgendeiner Form in ihren Einstiegsprogrammen.
Von den befragten Führungskräften der Personalgewinnung führen 84 Prozent persönliche Gespräche mit Bewerbern, 34 Prozent setzen bereits KI-gestützte Interviews ein.
KI-Kenntnisse: Nachfrage und Selbstbild
66 Prozent der befragten Arbeitgeber legen bei Berufseinsteigern Wert auf Kompetenz im Umgang mit KI. Häufiger nennen sie nur analytisches Denken und Anpassungsfähigkeit, mit jeweils 72 Prozent. Von den jüngsten Befragten zählen 48 Prozent KI-Wissen zu ihren Stärken. Das ist Rang fünf, hinter Anpassungsfähigkeit, Empathie, Kreativität und Kommunikation. In Lateinamerika sind es 68 Prozent, in der Region Asien-Pazifik landet diese Fähigkeit nur auf Platz acht. Die Werte stammen aus zwei getrennten Befragungen und lassen sich deshalb nicht als Lücke zwischen Angebot und Nachfrage verrechnen.
Zurückhaltend zeigt sich der Nachwuchs bei der Branchenwahl: Unter Studierenden und künftigen Jobsuchenden nennen nur 14 Prozent Technologie und Telekommunikation als bevorzugtes Feld, so wenige wie in keiner anderen Altersgruppe. Der Bericht vermutet, dass Skepsis gegenüber KI und Meldungen über KI-bedingten Stellenabbau dazu beitragen, belegt das aber nicht mit eigenen Daten.
Zur Aussagekraft der Studie
Den Bericht hat AMS verfasst, ein Dienstleister für Personalgewinnung, der zu Korn Ferry gehört. Die beiden Erhebungen entstanden in Zusammenarbeit mit Phronesis Partners. Unter den mehr als 5.000 befragten Beschäftigten und Jobsuchenden in 13 Ländern sind auch Studierende und Berufseinsteiger; 30 Prozent kommen aus Europa, Nahost und Afrika, 27 Prozent aus Nordamerika, je 22 Prozent aus Asien-Pazifik und Lateinamerika. Ausgewertet werden vor allem die 16- bis 24-Jährigen; wie viele es sind, steht nicht im Bericht. Die Arbeitgeberbefragung erfasst mehr als 500 Personalvorstände, Leiter der Personalgewinnung und weitere leitende Führungskräfte aus 13 Ländern und 14 Branchen. Die kleinste ausgewiesene Größenklasse sind Unternehmen mit 1.000 bis 5.000 Beschäftigten. Welche Länder beteiligt sind, wann und wie befragt wurde, gibt der Bericht nicht an; Österreich wird nirgends genannt. Fallzahlen für Branchen und Regionen fehlen. Alle Werte sind Selbstauskünfte, auch die Angaben zum Geschäftserfolg, nach denen der Bericht die erfolgreicheren Unternehmen abgrenzt. AMS versteht die Ergebnisse ausdrücklich als Richtungstrends. KI ist im Bericht eine von mehreren Kräften neben Fachkräftemangel und schwindendem Vertrauen; breiten Raum nehmen auch Gehalt, Arbeitsort und Lehrlingsausbildung ein. Dieser Beitrag greift nur die Befunde zu KI heraus.
Fazit
Die deutlichste Linie der Befragung verläuft zwischen Erwartung und Umsetzung. Die Personalverantwortlichen rechnen damit, dass KI Einstiegsjobs umbaut, und wollen weiter junge Leute einstellen, doch ein Bild dieser neuen Arbeit hat nur ein Teil von ihnen. Bei den Bewerbungen ist KI nach Darstellung von AMS längst angekommen, im eigenen Auswahlverfahren führen die Unternehmen sie erst vorsichtig ein. Dabei treffen sie auf eine Generation, die gerade maschinellen Urteilen über sich selbst am wenigsten traut.
Die Studie kann hier nach Ausfüllen eines Formulars heruntergeladen werden.
- Studie
- The Class of 2030: The future of early careers hiring
- Herausgeber
- AMS, ein Unternehmen von Korn Ferry; in Zusammenarbeit mit Phronesis Partners
- Befragt
- mehr als 500 Personalverantwortliche aus 13 Ländern und 14 Branchen; mehr als 5.000 Beschäftigte, Jobsuchende und Studierende in 13 Ländern, Schwerpunkt 16 bis 24 Jahre; Österreich nicht genannt
- Zeitraum
- nicht angegeben
- Art
- zwei Befragungen; Selbstauskünfte
- Quelle
- Studie im Original